Deutscher Betriebsräte-Preis

Corona-Sonderpreis: In der Pandemie sicher und gesund arbeiten

29. September 2020
57_B_Braun_Melsungen

Der Betriebsrat der B. Braun Melsungen AG ist für den Corona-Sonderpreis des Deutschen Betriebsräte-Preises nominiert. Dem Betriebsrat eines systemrelevanten Betriebs aus der Pharma- und Medizintechnik in Zeiten von Covid-19 ist es gelungen, neben dem umfangreichen Gesundheitsschutz der Beschäftigten, die Versorgung des Gesundheitssystems und der Klinikbetriebe aufrecht zu erhalten und sogar zu steigern.

Schon mit Beginn der Corona-Pandemie entwickelt der Betriebsrat gemeinsam mit dem Unternehmen umfangreiche Maßnahmen zum Schutz der Arbeitnehmer und in der laufenden Produktion zu realisieren. Als Medizintechnikhersteller, der gerade in der Krise benötigte Gesundheitsartikel herstellt, bestand die Herausforderung darin, Infektionsherde innerhalb des Betriebs zu verhindern, die Gesundheit der Beschäftigten zu sichern und gleichzeitig die hohe Nachfrage nach Produkten zu befriedigen.

Krisenstab tritt regelmäßig zusammen

Der Betriebsrat bildete mit dem Arbeitgeber einen Krisenstab, der regelmäßig in digitalen Meetings zusammentritt, um sich über die aktuellen Geschehnisse zu beratschlagen. B. Braun setzte in Abstimmung mit dem Betriebsrat verschiedene Maßnahmen zum Schutz der Belegschaft um. So wurden beispielsweise in den Produktionsbereichen umfangreiche Anpassungen bei den Schichtsystemen vorgenommen, um die Kontakthäufigkeit der Mitarbeiter so gering wie möglich zu halten und die Abstandsregeln zu wahren. Darüber hinaus wurden weitere Regelungen und Maßnahmen vereinbart, u.a. für die Bereiche Arbeitsgestaltung, Dienstreisen und digitale Besprechungen. Alle Maßnahmen wurden befristet und entsprechen der neuen Rahmenbedingungen angepasst bzw. verlängert.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen konnten damit Infektionsherde im Betrieb vermieden werden. Die Produktion des Unternehmens stellte die Versorgung der Bestandskunden sicher und konnte gleichzeitig gesteigerte Mengen liefern. In der Belegschaft gibt es ein hohes Maß an Zufriedenheit zu den getroffenen Hygiene- und Arbeitsschutzmaßnahmen. Trotz Zusatzbelastungen ist eine Steigerung der Gesundheitsquote im Unternehmen zu verzeichnen.

Über das Unternehmen

B. Braun ist einer der führenden Hersteller von Medizintechnik- und Pharma-Produkten und Dienstleistungen weltweit. Insgesamt umfasst das Sortiment 5.000 Produkte, die zu 95 Prozent in eigener Fertigung hergestellt werden. Durch ergänzende Dienstleistungs- und Beratungsangebote ist B. Braun ein Systemanbieter, der in enger Partnerschaft mit den Kunden die jeweils beste Lösung für Patienten entwickelt. Rund 7.300 Beschäftigte arbeiten am Standort Melsungen.

 

3 Fragen an das Gremium

Der Betriebsrat von B.Braun Melsungen im Interview mit der AiB-Redaktion.

Gab es schon im Vorfeld Pandemiepläne?

Im Jahr 2004 mit dem Anstieg der Fallzahlen des Virus H5N1 (Vogelgrippe) gab es bereits Strategische Überlegungen wie mit einem konkreten Risikopotential die Mitarbeiter*innen und das Unternehmen umzugehen ist. Hierzu wurden erste Prozesse und Gremien/ Krisenstäbe mit Aufgaben und notwendigen Teilnehmern gemeinsam beschrieben.

Was war die größte Herausforderung für euch als Gremium in der Corona-Pandemie?

Zunächst die Arbeit des Betriebsratsgremiums sicherzustellen und rechtlich auf sichere Füße zu stellen, dies vor dem Hintergrund viele mitbestimmungsrelevante Entscheidungen akut zu treffen und dabei mit unseren Mitarbeiter*innen in Kontakt zu bleiben. So wurden beispielsweise innerhalb von 4 Tagen nach Beschluss des Krisenstabes ca. 3000 Mitarbeiter*innen kurzfristig ins Home Office geschickt.

Und wie seid ihr mit der Angst der Beschäftigten vor Ansteckung umgegangen?

Ganz zu Beginn wurde eine Hotline für auftretende Fragen unter Beteiligung des Betriebsrats eingerichtet.

Aus den Vorgaben des Zentralen Krisenstabes (Werksärztlicher Dienst, Arbeitssicherheit, Betriebsrat, Personalabteilung, Unternehmensvorstand sowie Unternehmenskommunikation) wurden konkrete Maßnahmen abgeleitet.

Konkrete Maßnahmen waren unter anderem:

  • Bereits kurz vor Schließung der KITA`s und Schulen wurde vereinbart, dass für Mitarbeiter*innen, die keine Betreuungsmöglichkeit  für Ihr(e) Kind/ Kinder hatten, bis zu 2 Wochen bezahlte Freistellung möglich ist.
  • Zusammenstellung und Verteilung von Pandemiesets (Desinfektionsmittel und Mund-Nasen Schutz) für den privaten Gebrauch an alle Mitarbeiter*innen.
  • In allen Abteilungen und Bereichen Einrichtung von lokalen Pandemie- Krisenstäben zum direkten Bewerten und Abarbeiten von Risikopotentialen vor Ort.
  • Dort wo keine Home Office Option möglich war, wurden zum Beispiel Arbeitszeiten so angepasst, dass ein mögliches Ansteckungspotential soweit wie möglich reduziert wurde.
  • Sehr schnelle und unkomplizierte Umsetzung von Quarantänemaßnahmen (bezahlte Freistellung) bei möglichen Verdachtsfällen.

Das Interview führte Eva-Maria Stoppkotte.

► Weitere Infos zum Deutschen Betriebsräte-Preis

► Die Nominierten 2020

© bund-verlag.de (ems)

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